Ein Artikel in DIE ZEIT vom 26. Februar 2009, “Feminismus sticht Sozialismus” bringt mich dazu meine Gedanken einmal aufzuschreiben.
In diesem Artikel geht es um die Wahlfreiheit von jungen Müttern: sollen sie, wie Männer, im Arbeitsleben nach der Karriere* streben – ganztags natürlich, oder sollen sie ihrem biologischen Plan folgen und zu Hause die Kinder groß ziehen?
(*Das die Karriere einer Frau sich von der eines Mannes unterscheidet, ist denke ich jedem bewusst, wobei die “gläserne Decke” eine Rolle spielt. Aber das ist ein anderes Thema über das ich mich jetzt nicht auslassen möchte.)
Für mich stellt sich die Frage, ob es eine solche Wahlfreiheit überhaupt gibt. Wenn man von einem DINKo Pärchen (double income no kids) zu einer Familie mit Vater – Mutter – Kind wird, ist es nicht einfach, mit nur noch einem Gehalt auszukommen. Vor allem da man sich an den angenehmen Lebensstandart gewöhnt hat. Die Familienfreundliche Politik unserer Regierung ist da (in meinen Augen) keine große Hilfe, wo nach einem Jahr mit 67% vom Netto Schluß ist. Fehlt das Geld, fühlt man sich als Frau gezwungen, wieder Arbeiten zu gehen. Außerdem herrscht in unserer Gesellschaft die feministische Ideologie, dass eine Frau ihre Unabhängigkeit durch ihre Arbeit im Markt erhält und so wirtschaftlich nicht von ihrem Mann abhängt.
Aber wie soll das funktionieren? Wenn ich als junge Mutter das Haus verlassen will und arbeiten gehe, muss nun Geld für die Kinderpflege aufgebracht werden*, um für den Haushalt und das Essen zu sorgen wird nur ein halbtags Job drin sein, wodurch der Weg zur Arbeit im Verhältnis noch teurer wird (gerade hier auf dem Land) und auf das Einkommen das ich verdiene muss ich noch Steuern zahlen. Bleibt dann überhaupt noch etwas übrig?
(*Großeltern eignen sich nur bedingt für diesen Job. Zum einen haben sie ihre erzieherische Arbeit an uns jungen Eltern bereits erbracht und zum anderen hat sich auch das Großelternbild in der Gesellschaft gewandelt. Sie streben nun mehr nach ihrer Freiheit und wollen ihren Lebensabend genießen. – zu diesem Thema war ein interessanter Artikel im GEO vom Februar
Auch ist es hier auf dem Land noch nicht einfach, seine unter drei Jahre alten Kinder in eine Tageseinrichtung zu geben. Zum einen sind unsere Kindergärten in den Gemeinden noch nicht dafür ausgelegt, und die Plätze in der Stadt sind begrenzt. Zum anderen ist der Gedanke ein so kleines Kind in die Krippe zu geben nicht einfach. In Antroposophischen Kreisen wird diskutiert Kinder erst ab einem Alter von vier Jahren in einen Kindergarten zu geben, um die gesunde geistige Entwicklung von Kindern nicht zu stören. Siehe hierzu alte Schriften von Rudolf Steiner und neuere von Dr. Graf.)
Und so einfach wie ich mir das Vorgestellt habe, mit dem Arbeiten, ist es auch nicht. Geplant hatte ich, nach einem Jahr “Babypause” im zweiten Jahr Elternzeit für ein paar Stunden wieder arbeiten zu gehen. Da ich bei einem verhältnismäßig großen Arbeitgeber angestellt bin, erlag ich der Illusion, dass dies kein Problem sei. Auf die Idee, dass man mich aus betrieblichen Gründen für nur 15 Stunden nicht beschäftigen will, bin ich nicht gekommen. In der heutigen wirtschaftlichen Lage wird es natürlich kein Problem sein, eine andere Arbeit zu finden. (Das ist ironisch gemeint!)
Eine andere Frage in dem Artikel betraf die Lebensqualität in der Familie, die durch Vollzeit arbeitende Eltern beeinträchtigt wird. Was hat hier den höheren Wert: Mutterschaft oder Arbeit. Ich gehe hier einmal frech davon aus, dass die Mutter zuhaus bleibt. Im Moment freue ich mich über jedes Lächeln und über jeden Fortschritt, den unsere Tochter macht. Soll mir demnächst die Kindergärtnerin oder Tagesmutter erzählen, was die kleine neues kann? Verpasse ich womöglich die ersten Schritte? Ich würde mich Schwarz ärgern. Auch denke ich, dass die Pisa Ergebnisse heutzutage so schlecht sind, weil die Kinder nicht richtig von ihren Eltern betreut werden können. Unsere schlecht abschneidenden Jugendlichen haben doch nicht ausnahmslos dumme Eltern, sondern eher abwesende.
Aber wie soll man, oder ich, nun darauf reagieren? Vielleicht sollte ich eine neue Art des Feminismus begründen. Nachdem nun Frauen die gleichen Rechte und Jobs haben wie Männer und auch (theoretisch) das gleiche Geld dafür verdienen, sollte ich als Feministin dafür kämpfen, dass Frau auch ohne ein schlechtes Gewissen (dem Mann und der Gesellschaft gegenüber) zu Hause bleiben und glücklich sein darf die Kinder groß zu ziehen. Vor allem da Selbstbestimmung ein wichtiger Inhaltspunkt des Feminismus ist (siehe hierzu Feminismus bei Wikipedia).
Und wer weis – vielleicht bekommt ja irgendwann eine Mutter, die ihren Kindern das Mittagessen serviert genauso ein Gehalt dafür wie eine Kellnerin, die in einem Restaurant die gleiche Arbeit leistet…